00:00:00: Heute im Nulloyers Podcast an Christine Anni Becker.
00:00:10: Ich glaube, der LinkedIn-Algorithmus war etwas überrascht über eine Person in Robe mit Samt besatzt.
00:00:17: Da hat er gesagt, ist das etwa eine Richterin?
00:00:19: Das haben wir ja noch nicht so oft gesehen!
00:00:55: Telendocke ist dein Partner in deiner juristischen Karriere.
00:00:58: Wir bringen dich mit Arbeitgebern zusammen, die genau zu deinen Zielen passen!
00:01:02: Legt dir jetzt dein Profil an und gehe den nächsten Schritt auf telendockedee.
00:01:07: An Christine Annie Becker ist Präsidialrichterin am Olgi Hamburg.
00:01:11: Zusammen mit ihrem Social Media Team zeigt sie auf LinkedIn und Instagram wie nahbar der Staatsdienst sein kann.
00:01:17: Wir sprechen heute darüber, wie die Justiz im Kampf um Talente gegen Großkanzleien punktet.
00:01:22: Warum Purpose dort inklusive ist und wie man eine konservative Institution modern präsentiert.
00:01:28: Liebe Annie!
00:01:29: Ich freue mich sehr dass du hier bist und starte mit der altbekannten Icebreaker Frage was Du als Kind werden wolltest.
00:01:37: Jetzt hast du mich ja schon darauf vorbereitet, Magdalena.
00:01:39: Erst mal vielen Dank für die Einladung!
00:01:41: Ja ich wollte damals Theater-Schauspielerin werden als Kind zum Unmut meiner Eltern.
00:01:47: Die fanden Theater zwar toll aber für ihre eigene Tochter vielleicht nicht unbedingt und ich habe das aber auch schon öfter erzählt.
00:01:54: mein Vater war selber Richter und auch hier eine Hamburger Justizrichter und deswegen hatte ich dann Berührungspunkte mit der Justiz schon sehr früh also so damals auch schon gab es was heute Girls in Boys ist glaube ich, gab es damals auch schon mal und geht mal mit den Eltern zur Arbeit.
00:02:10: Und da hat mich das dann schon fasziniert meinen Vater da vorne so in Robe zu sehen und im Gerichtssaal und alle hatten so viel Respekt vor ihm und zwar irgendwie beeindruckend!
00:02:21: Als ich dann älter wurde und es wirklich zum Schwur kam und es nicht mehr nur eine Floskel war – Ich werd mal Schauspielerin, sondern es wirklich darum ging es zu tun, da habe ich dann doch nochmal was anders überlegt und hab da doch Jora studiert Und so bin ich hier gelandet.
00:02:37: Also
00:02:37: auch kein Theater in der Freizeit?
00:02:39: Ja!
00:02:39: Freizeiteatergruppe
00:02:40: oder sowas... Zu Beginn habe ich das noch gemacht, aber das ist dann irgendwann eingeschlafen.
00:02:44: Ich hab dann ja irgendwann diesen ... Jurawettbewerb gemacht, diesen Wismutkord an der Uni Hamburg.
00:02:50: Und das ging dann so ein bisschen in die Schauspielrichtung.
00:02:52: Das hat mir wieder großen Spaß gemacht und jetzt mache ich ja viel Social Media.
00:02:56: Das ist auch wieder vor der Kamera und so.
00:03:00: Ich würde schon sagen es zieht sich durch mein Leben noch mit so durch aber nicht so wie ich mir das mal als Kind vorgestellt hatte.
00:03:07: also da wollte ich wirklich auf den großen Bühnen stehen und so ist es nicht gekommen
00:03:12: Verstehe, aber eine ganz gute Kombination, die du da für dich rausgearbeitet hast jetzt.
00:03:16: Genau!
00:03:17: Du hast meine erste Frage zumindest schon im Ansatz beantwortet.
00:03:20: Wie bist du zur Justiz gekommen?
00:03:22: Und wann war dir eigentlich klar, dass du gerne Richterin werden willst?
00:03:25: Ja also ich merke das immer wieder wenn ich mit jungen Leuten spreche, die gar keinen Bezug zu Justiz haben, dass das natürlich bei mir anders war durch dieses Familiäre.
00:03:34: Also das kriegt man natürlich irgendwie mit was die Eltern machen und ich habe vor allem immer mitbekommen auch so wie mein Vater seine Arbeit auch empfunden hat.
00:03:44: Das war, glaube ich mit sehr wesentlich nämlich dass er so eine Grundzufriedenheit hatte was den Sinn seiner Arbeit anging und er hat auch immer für sich betont Er war selber zu Beginn anwalt drei Jahre lang und ist dann irgendwann in die Justiz gewechselt Und er hat für sich dann auch immer die Unterschiede so betont und das ihm das eben auch viel mehr Spaß macht.
00:04:04: jetzt was er dann zu dem Zeitpunkt gemacht hat.
00:04:08: Ich glaube, wenn ein Elternteil nach Hause kommt.
00:04:10: Meine Mutter war auch zufrieden mit ihrer Arbeit aber die hat doch noch was anderes gemacht.
00:04:14: Aber wenn so Elterenteile nach Hause kommen und sehr gut über die Arbeit reden dann macht das schon glaub ich etwas mit einem jungen Menschen Und deswegen konnte ich mir das schon früh dann vorstellen als sich mich zum Jurastudium entschied Dann tatsächlich in die Richtung zu gehen.
00:04:30: Genau, so kam das im Prinzip.
00:04:32: Und dann im Jurastudium und im Referendariat habe ich mich aber schon auch geöffnet diesen ganzen anderen Berufsgruppen.
00:04:38: Also ich war jetzt nicht jemand der von Tag eins gesagt hat, jetzt studiere ich Jura, jetzt werde ich Richterin, sondern ich hab mir durchaus alles Mögliche angeguckt und ich war auch über die Grenzen hinaus.
00:04:48: also ich war dann auch im Ausland Ich habe auf verschiedenen Sprachen gearbeitet und ich habe vieles ausprobiert um zu gucken was mir am besten gefällt.
00:04:56: Dann war es tatsächlich so dass im Referendariat Gerade so zum Ende hin, ich dann es im Prinzip für mich selbst zum Schwur kam und ich gesagt habe was will ich jetzt wirklich machen?
00:05:06: Und alles in einen Topf geworfen und geguckt.
00:05:08: So was spricht jetzt für Option A, für Option B, für option C?
00:05:12: und das war ja.
00:05:13: also ist auch ein Privileg dass man überhaupt über verschiedene Optionen nachdenken kann.
00:05:19: aber für mich war dann schnell klar Ich hab Lust Richterin zu sein und zwar auch sofort.
00:05:24: nicht wie alle erwartet hatten Annie geht erst mal die Großkanzlei auch was, wovon man sich dann so frei machen muss.
00:05:30: Wenn man viel in die Richtung gemacht hat, einen Lebenslauf aufgebaut hat der sehr kajeristisch und international vielleicht ausgerichtet ist?
00:05:40: Ich wurde tatsächlich im Vorstellungsgespräch in der Justiz gefragt, was will denn jemand mit ihrem Lebenslauf jetzt bei uns?
00:05:47: Das ist natürlich auch eine provokante Frage, die wir durchaus mal absichtlich stellen zu gucken wie die Person reagiert.
00:05:53: aber das war ja auch etwas dran.
00:05:55: also ich hatte eigentlich so in diese Kanzlei Richtung internationales Arbeiten, Schiedsverfahren ausgerichtet.
00:06:03: Und ja dann kam es ganz anders und ich kann aber sagen Ich hab's nie bereut!
00:06:07: Das ist das Schöne!
00:06:08: Das wäre meine Frage gewesen, ob du das jetzt im Nachhinein anders machen würdest und die Ausrichtung, die du schon im Studium hast.
00:06:14: Jetzt mit dem Wissen was du für deinem Beruf jetzt brauchst, anders gewählt hättest?
00:06:17: Tatsächlich nicht!
00:06:19: Und es ist wirklich... Ich schäme mich fast so zu sagen aber es ist tatsächlich so dass ich nicht ein einziges Mal in acht Jahren den Job jetzt mache, das bereut habe und ich auch sagen muss, ich hab ja sehr viele Freundinnen und Freunde, die auch in Kanzleien tätig sind, auch in Unternehmen tätigt sind.
00:06:36: Viele sind auch sehr sehr zufrieden Aber einige sind auch sehr, sehr unzufrieden und geraten immer wieder an Punkte wo es nicht weitergeht.
00:06:43: Was ja auch total nachvollziehbar ist.
00:06:45: Und das sind alles so Dinge die.
00:06:47: diese Privilegien werden mir immer bewusst da je länger ich den Job mache wie viele Vorzüge's hat.
00:06:52: Es ist natürlich eine Typfrage.
00:06:55: also Ich bin mir auch hundertprozent sicher dass sich nicht jeder hier sowohl führen würde wie ich das tue.
00:07:00: aber ich glaube also ich weiß sehr zu schätzen Das für mich so super passt.
00:07:05: Also ich bin sehr zufrieden.
00:07:08: Ein Grund, warum du das Arbeiten in der Justiz so spannend fandest war auch diese Aufteilung.
00:07:13: Du hast jetzt, glaube ich oder hattest ne' siebzig-dreißigaufteilungen.
00:07:15: kannst du dazu noch mal mehr sagen?
00:07:17: weil ich glaube es ist eine Möglichkeit von der gar nicht alle wissen
00:07:19: Ja und es ist tatsächlich so eine Möglichkeit, die es ziemlich oft gibt.
00:07:23: Wir nennen das Mischpensen.
00:07:24: also wenn man gemischtet Dinge macht und das kann man tatsächlich relativ offen und muss man manchmal sogar auch.
00:07:31: Das ergibt sich schon dass man verschiedene Rechtsprechungsbereiche zum Beispiel kombiniert.
00:07:36: bei mir ist jetzt noch ein bisschen exotischer ich mache ja Social Media und Nachwuchsgewinnung fürs hanseatische Oberlandesgericht und für die ganzen Hamburger Gerichte und genau dadurch ergibt sich so eine Aufteilung Prozent mache und mit dreißig Prozent mach ich eben noch Rechtsprechung.
00:07:52: Ich bin am Amtsgericht und macht jetzt mit den dreizig Prozent zur Zeit Zivilrecht, aber ich habe schon alles Mögliche kombiniert.
00:07:58: also ich hab zum Beispiel auch mal eine Zeit lang fünfzig-fünfzig gemacht.
00:08:02: Fünfzig Prozent Strafrechte und fünfzig Prozent Betreuungsrecht.
00:08:05: Auch ne spannende Kombination.
00:08:07: oder ich habe im ersten Berufsjahr siebzig Prozent Handelsregister Sachen, zwanzig Prozent Nachlass und zehn Prozent Zwangsvollstrecke gemacht.
00:08:16: Und es ist dann oft tatsächlich so wie man sich das vorstellt.
00:08:19: also in der Zeit waren wir ja noch nicht digitalisiert vor acht Jahren.
00:08:23: und da kommen einfach unterschiedlich farbige Aktien in das Büro und jede Akte ist ein anderes Rechtsgebiet.
00:08:28: Und man guckt dann eben, worauf man gerade morgens am meisten Lust hat und fängt erst mal damit an.
00:08:33: Wenn man irgendwann sagt so es reicht jetzt mit dem Gesellschaftsrecht Jetzt mache ich mir mal ein bisschen, gucke ich mir hier mal einen Testament an und prüfe mal ob das wirksam ist oder nicht?
00:08:41: Dann macht man das nächste Rechtsgebieten!
00:08:43: So ist ein Tag nie langweilig aber auch da muss natürlich sehr flexibel sein und dass einem das Spaß macht.
00:08:49: also auch jetzt so ein typischer Arbeitstag bei mir der ist wirklich sehr bunt im Moment weil Social Media und Nachwuchsgewinnung, das kann alles sein von Podcastaufnahmen über Messebesuche bis hin zu einfach Content produzieren.
00:09:03: Und gleichzeitig habe ich eben auch noch eine Aktenvorlage und eine Abteilung zu pflegen.
00:09:08: Einmal die Woche Sitzungen, das heißt ich muss meine Akten vorbereiten, ich muss dann Urteile schreiben und es läuft alles so parallel und man ist eigentlich ein großer Manager seiner Zeit die ganze Woche.
00:09:18: aber es macht großen Spaß!
00:09:19: Und man sollte natürlich schon so eine gewisse Abwechslung auch mögen wenn man da einen Beruf macht?
00:09:24: Absolut Absolut.
00:09:26: Und das ist ja ganz grundsätzlich so, ne?
00:09:28: Wenn man jetzt eher jemand ist der in einem Bereich sich immer weiter spezialisieren will und da immer immer besser werden will dann ist es nicht so ganz das Richtige weil das kann schon mal sein.
00:09:39: also wir haben Kolleginnen und Kollegen die brennen für einen Bereich Die landen dann auch irgendwann in dem Bereich und die bleiben dann auch in den Bereich.
00:09:46: Das sind zum Beispiel im grünen Bereich haben wir das oft So IP Sachen Urheberrecht Markenrechts.
00:09:52: Da sind manchmal Personen die wollen das unbedingt machen Die machen das auch irgendwann und die machen es dann auch sehr lange.
00:09:57: Und vielleicht sogar irgendwann in zweiter, dritter Instanz wie auch immer.
00:10:01: Aber also grundsätzlich gucken wir natürlich schon eher nach Generalisten Also Leute, die sich auch vorstellen können verschiedene Sachen auszuprobieren, die vielleicht auch mal einspringen wenn was gebraucht wird.
00:10:13: So ein bisschen lebt auch unser ganzes Gerichtskonstrukt davon dass man auch sich flexibel zeigt verschiedene Bereiche und an den Mischpänzen sieht man es ja ganz gut, da muss man dann eben auch mal fünfzig Prozent was anderes dazu nehmen.
00:10:26: Aber ja also langfristig kann man hier eigentlich immer das ist oft so eine Frage die ich bekomme Kann nicht mehr ich aussuchen was ich machen will oder lande ich danach zwanzig Jahren sonstwo?
00:10:36: Eigentlich nicht so, also man kann sich langfristig schon aussuchen was man machen will.
00:10:40: Aber gerade in der Probezeit zu Beginn wollen wir schon ein bisschen Flexibilität auch.
00:10:44: Und du hast schon das Strafrecht und den Bereitschaftsdienst erwähnt?
00:10:47: Gibt es da ganz besonders einprägsame Erfahrungen?
00:10:50: Das sind ja die aufregenden Bereiche!
00:10:53: Ja, ja.
00:10:54: Also bei uns ist alles ein bisschen aufregend.
00:10:56: wenn man hier frisch sitzt und hat noch alles noch nie gemacht dann ist es immer aufregende.
00:11:01: Aber klar also Strafrecht ist natürlich irgendwie besonders spannend.
00:11:05: Ich habe das auch lange gemacht Und ich muss sagen am Amtsgericht ist es tatsächlich so.
00:11:10: Man hat da eine ganz große Bandbreite an Tatbeständen mit dem man beschäftigt ist und auch an Lebenssachverhalten.
00:11:16: Das wird wirklich nie langweilig.
00:11:18: Also das geht vom kleinen Ladenliebstahl über der Likte, bei denen jemand verstorben ist.
00:11:23: Also Mord und Totschlag nicht!
00:11:25: Aber zum Beispiel fahrlässige Tötungen oder Tötung aufverlangen schon.
00:11:29: Und das sind schon so Kaliber da... Das beschäftigt einen natürlich auch, ne?
00:11:34: Auch die Bandbreite also bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe, das ist ja in Deutschland wirklich nicht wenig, bis man dahin kommt.
00:11:40: Da hat man mit einer Vielzahl an Fällen zu tun.
00:11:44: Das macht super spannend.
00:11:46: Bereitschaftsdienst ist was, das?
00:11:49: Also das kann man in allen möglichen Facetten machen, aber das kann auch in so einer Wochenendbereitschaft machen.
00:11:54: Dann kriegt man unter der Woche sozusagen eine Entlastung ein bisschen weniger Aktien.
00:11:58: Und dafür macht man eine gewisse Zahl an Wochenenddiensten.
00:12:01: Bei uns ist das für zehn Prozent, sind es sechs Dienste am Wochenende und das ist dann zum Beispiel so was wie dass man ein Telefonbereitschaft hat und dann vierundzwanzig Stunden erreichbar ist für Staatsanwaltschaften und Polizei und dann wird man mitten in der Nacht angerufen weil man für irgendwas einen richterlichen Beschluss braucht um zum Beispiel ganz klassisch ist die Durchsuchung weil irgendetwas durchsucht werden soll und da ist natürlich aufregend.
00:12:25: also wenn man Schlaf trunken, dieses Telefon klingelt und man denkt Puh!
00:12:30: Mal gucken was da jetzt am anderen Ende auf mich wartet.
00:12:34: Da kann man sich auch nicht so gut darauf vorbereiten.
00:12:36: also man kann sich natürlich die klassischen Konstellation nochmal angucken noch mal gucken wie schreibt man nochmal durch Suchungsbeschluss aber die konkrete Konstellations ist dann ja wirklich spontan und ehrlicherweise sind nachts auch nicht sehr gut Kolleginnen und Kollegen erreichbar die man fragen kann.
00:12:52: also da muss man dann einfach liefern.
00:12:56: Aber
00:12:58: das ist hier gut gelogen.
00:13:01: Das weiß man ja meist immer erst im Nachhinein, ob das alles so richtig war.
00:13:05: Aber man muss sich auch ein bisschen frei machen von Perfektionismus in dem Moment.
00:13:10: Man muss natürlich gutes Judiz beweisen, auch da hat man seine rechtsstaatlichen Grundsätze an die man sich hält und hält sich an Rechnung.
00:13:16: gesetzt ist alles klar.
00:13:18: aber wir wissen auch wie es ist in der Juristerei zwei Juristen, zwei Meinungen.
00:13:22: Das ist bei uns nicht anders und man muss ich so ein bisschen freimachen von der perfekten Entscheidung in dem moment.
00:13:27: Es kann auch mal was schief gehen.
00:13:29: Dafür haben wir Kontrollsysteme, dafür haben wir Beschwerdemöglichkeiten Rechtsbehälfe und das gilt beim Amtsgericht sowieso immer.
00:13:37: so ein bisschen muss man sich frei machen von dass dann nach einem nichts mehr kommt.
00:13:41: das stimmt ja schlicht nicht.
00:13:42: es gibt weitere Instanzen die notfalls nochmal überprüfen und sonst schafft man die Masse auch nicht.
00:13:47: also wenn man über jeder jede Entscheidung also wenn ich jetzt da nachts erst mal vier stunden drüber grübel Dann kann ich das nicht machen.
00:13:55: Also, ich muss schon entscheidungsfreudig sein!
00:13:57: Das ist schon wichtig bei unserem Job aber es ist gut händelbar und es ist natürlich super spannend weil da kann wirklich alles kommen.
00:14:05: und ja dass immer wieder aufringt
00:14:08: Und man ist natürlich hoch wirksam in diesen Entscheidungen.
00:14:10: Das ist ja auch das,
00:14:11: was
00:14:12: den Beruf so besonders macht und wo eine andere Begrifflichkeit für mich ganz eng mit verknüpft ist nämlich die Sinnhaftigkeit der Arbeit.
00:14:19: Gerade ein ganz großes Thema bei uns bei Telenbocket immer wieder gerade auch an der Arbeit in Großkanzleien alle suchen nach ihrem Purpose.
00:14:25: Da hattest du im Vorgespräch von einem Rechtsbereich berichtet, den ich gar nicht so auf dem Schirm hatte, der sich aber glaube ich an Sinnhaftkeit kommt überbieten lässt und dass es das Betreuungsrecht ... Ich
00:14:38: habe im Vorgespräch gesagt, es gibt es für uns umsonst dazu.
00:14:42: Es gibt eigentlich nichts was wir machen wo man die Sinnhaftigkeit nicht spürt.
00:14:47: aber Betreuungsrecht war ein spannender Bereich.
00:14:49: das habe ich auch drei Jahre lang gemacht Und das war so ein Bereich, den hatte ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm und das geht glaube ich allen so.
00:14:56: Also du hast es ja auch gesagt die meisten haben davon tatsächlich noch nie was gehört außer sie haben damit irgendwie selber Berührungspunkte.
00:15:03: und Es geht im Prinzip darum dass man also es gibt um gesetzliche Betreuung Das heißt es geht darum dass Man einen unterstützungsnetzwerk Einrichtet für jemanden der gesetzlich also rechtliche Unterstützung braucht Der also eine vertretung braucht also im prinzip wie eine voll macht.
00:15:16: aber oft sind das Personen die können eben niemand mehr bevollmächtigen oder da ist vielleicht niemand mehr der bevollmächtigt werden kann und dann macht es das Gericht.
00:15:24: Und das sind oft so Konstellationen, wo jemand eben körperlich oder auch psychisch eingeschränkt ist und einfach Unterstützung braucht.
00:15:31: Da hat man ganz viel Berührungspunkte mit einem sozialen Bereich den man vorher überhaupt nicht kennt.
00:15:37: Ich habe seitdem immer gesagt ich bin so beeindruckt in was für ein gut funktionierenden Sozialstadt wir leben.
00:15:42: Das realisiert man erst wenn man so nah an diesem Hilfsnetzwerk dran ist und sozusagen ein Baustein ist der da mitarbeitet.
00:15:50: und das isst man dann als Betreuungsrichterin.
00:15:52: Und was viele glaube ich nicht wissen, ist dass ein Teil ist.
00:15:55: Man muss die Leute eben persönlich anhören.
00:15:57: Wichtig ist persönlich anhören also wirklich mit ihnen sprechen um sich einen Eindruck zu verschaffen.
00:16:02: es ist ja sehr sensibler Bereich wenn die leute nichts zur gericht kommen können dann fährt man als Richterin zu den Leuten nach Hause.
00:16:10: Das heißt so wie man vielleicht als Zivilrichterin oder Strafrichter in Sitzung hat, hat man als Betreuungsrichterin dann eine Anhörungstour.
00:16:17: Man steigt ins Taxi und fährt meistens in Bezirken wo das Sinn ergibt.
00:16:22: also man kombiniert ein bisschen Haushalte die nebeneinander liegen und dann fährt man sie nacheinander ab und wird damals schon freudig erwartet manchmal auch mit Kaffee und Keksten.
00:16:31: Das lehnt man jetzt Richterin ab aber es ist irgendwie trotzdem sehr sympathisch, wie man da empfangen wird.
00:16:37: Und die freuen sich schon total auf ein weil sie jetzt wissen heute kommt die Richterin und wir reden darüber, wie es mit mir weitergeht, wie's mit meiner Betreuerin weiter geht ob die weiter für mich tätig ist.
00:16:47: ich hoffe es und so.
00:16:49: Es ist eine sehr erfüllende Aufgabe Intime Einblick in die Leben der Menschen bekommt und dann eben maßgebliche Stellschrauben dafür stellt, dass sie weiter so leben können wie Sie eben leben.
00:17:03: Und oft sind das Personen, die können dadurch ganz anders wieder am Leben teilhaben als sie das könnten wenn sie einfach alleine irgendwo sitzen würden und die Gesellschaft sie vergessen würde.
00:17:13: So kriegt man live mit, entweder ins Leben zurückgeführt werden oder einfach teilhaben können.
00:17:20: und das ist also sind Stiften, da geht es eigentlich fast gar nicht mehr.
00:17:23: Das ist wirklich ein toller Bereich!
00:17:26: Und Voraussetzung ist dass den Leuten natürlich so gut geht, dass der Besuch sinnvoll ist?
00:17:30: Oder gehst du dann auch in Pflegeeinrichtungen oder auch ins Krankenhaus im Zweifel?
00:17:34: Und auch wenn jemand im Koma liegt.
00:17:36: Das ist so was, weil persönliche Anhörung natürlich schwierig, aber das ist eben genau das, was das Gesetz vorsieht.
00:17:43: Man muss immer persönlich anhören und wenn es nur heißt dass man sich einen persönlichen Eindruck verschafft wie es der Person tatsächlich geht und das heißt auch, dass man oft in Krankenhäuser fährt und das sind oft auch Intensivstationen vorgestern noch wunderbar und dann erleiden sie einen ganz schweren Autounfall.
00:18:04: Und man kann im Moment die Angehörigen nicht erreichen, es müssen aber wichtige medizinische Maßnahmen getroffen werden.
00:18:10: Dann muss erstmal der Richter kommen!
00:18:12: Dann dürfen die Ärzte nicht einfach irgendwas entscheiden.
00:18:15: Dann muss dieses System eingerichtet werden, außer es ist lebensbedrohlich und dann muss der Richter kommen und dann fährt der Richtger dahin und dann spricht man mit den Menschen, also wenn sie ansprechbar sind, spricht man bei ihnen und auch sonst spricht mal mit den Ärzten und ist maßgeblich dabei.
00:18:30: Und das sind genauso ganz gravierende gesundheitliche Entscheidungen, die da manchmal getroffen werden, die vielleicht wirklich einschneidend sind Beispiel Amputation, das steht dann unter dem Richtervorbehalt.
00:18:42: Und dann muss man selber als Richterin zusammen mit den Ärzten, zusammen mit Verfahrensteiger-Betreuer und wer nicht alles da dann mitwirkt entscheiden was gemacht werden muss medizinisch.
00:18:53: Das ist also eine hoch verantwortungsvolle Aufgabe aber auch wirklich näher an sozusagen im echten Leben geht es ja gar nicht mehr.
00:19:03: Es ist ein sehr ausgeklügeltes System dass eben so gut funktioniert weil Das ist ja alles eine Art Kontrollmechanismus, dass man sagt da soll eben der Richter auch mit drauf gucken.
00:19:13: Dass da keine Entscheidungen einfach so von den Ärzten dann ohne richterlichen Vorbehalt oder wie auch immer getroffen werden können?
00:19:20: Oder auch von Angehörigen.
00:19:21: wird man in irgendeiner Form darauf vorbereitet oder geschult?
00:19:24: Oder ist das einfach gesunder Menschenverstand, dem man entwickelt und die man häufig an der Situation war Und natürlich auch die Expertise von Ärzte usw dazu bekommt?
00:19:33: Ja, also entscheidend ist Letzteres.
00:19:36: Man hat ja selber den Sachverstand gar nicht.
00:19:38: Ich hab ja Jura studiert und Medizin, das heißt ich habe keine Ahnung.
00:19:41: Das heißt, ich bin entscheidender von abhängig was die Ärzte sagen.
00:19:45: Ich kann aber natürlich... Und lege da dann auch so ein Maßstab an, dass ich sage, ist das für mich plausibel?
00:19:51: Verstehe ich
00:19:51: das?!
00:19:52: Ich frage auch so viel nach bis ich es verstanden habe!
00:19:56: Und ich kann auch im Notfall wenn ich das Gefühl habe irgendwie, kommt mir hier was komisch vor, kann ich auch noch mal einen anderen Arzt befragen.
00:20:05: Also diese Mechanismen habe ich und man wird also es gibt Schulungen die ein auch darauf vorbereiten diesen Rechtsbereich zu übernehmen.
00:20:12: vieles lebt aber und das ist bei uns ganz oft so auch davon dass man von Kolleginnen und Kollegen lernt ne?
00:20:19: Also man fährt zum Beispiel am Anfang dann auch bei Kolleginnen und kollegen mit die da schon ganz lange machen Und da gibts dann auch immer welche die sagen du Ich hab morgen mal so'n ganz komplizierteren Termin im Krankenhaus willst du da mal mitkommen.
00:20:32: Das wäre jetzt vielleicht für dich mal eine Gelegenheit, um mal zu sehen wie so was abläuft und dann fährt man einfach mit wie so ne Arthospitation und kann auch alle Fragen stellen.
00:20:41: das würde ich sagen ist das wo man eigentlich am meisten lernt.
00:20:45: Was auf jeden Fall, glaube ich schon ganz deutlich wurde ist.
00:20:47: Man isst auf jeden fall mehr und du hast es auch schon gesagt Generalistin als Spezialistin.
00:20:52: Absolut!
00:20:52: Was empfielst Du denn wie man dann trotzdem seinen Rechtsbereich findet?
00:20:57: Und wie flexibel kann man denn dann auch nochmal zwischen den Rechtsbereichen wechseln?
00:21:00: Du hast am Anfang ja schon ein bisschen gesagt zu dieser Aufteilung.
00:21:03: Also ich empfehle immer ausprobieren.
00:21:06: Es gibt manchmal Menschen, die wollen gar nicht so viel ausprobieren.
00:21:09: Die wissen, ich möchte Zivirecht machen.
00:21:11: Ich mache jetzt Strafrecht mal und dann fühle ich mich bestätigt, dass sich Ziviracht machen will.
00:21:15: Und das ist auch völlig in Ordnung!
00:21:18: Das ist bei uns auch total möglich.
00:21:20: Man kann einfach ins Ziviresch wechseln und sagen, jetzt bleibe ich hier für immer.
00:21:26: Wie gesagt, es gibt auch viele die das so machen.
00:21:28: Es gibt aber auch viele, die's anders machen und eben diese Vielfalt zu schätzen wissen.
00:21:33: Und da würde ich mich dazu zählen.
00:21:35: Da ist es wirklich so, dass man sich einfach, also meines Erachtens hilft immer wieder Offenheit beweisen und sich offen zeigen und einfach probieren und mutig sein, auch mal was Neues auszuprobieren.
00:21:47: Was
00:21:47: würdest du denn sagen wie sich generell das Berufsbild der Richterin und das Richter aktuell verwandelt?
00:21:51: Also Stichwort E-Akte, KI-Projekte, Digitalisierung im Allgemeinen...
00:21:56: Ja, also E-Aktis ist für uns natürlich ein Riesenvorteil.
00:21:58: Wir sind ja noch nicht ganz fertig mit der Digitalisierung aber fast.
00:22:02: Also viele Bereiche sind komplett digitalisiert und das ist natürlich für uns die das kennen seit Jahren mit dicken Akten zu tun haben oder auch die halt irgendwie immer von A nach B gebracht werden müssen, ist das für uns natürlich jetzt genial und das auch kein Geheimnis.
00:22:18: Wir haben keine festen Arbeitszeiten wir sind... Die richterliche Unabhängigkeit greift auch was unsere Arbeitszeite angeht also dass wir unsere Arbeit zeitfrei einteilen können.
00:22:26: Wir müssten natürlich unsere Sachen schaffen aber wir können trotzdem entscheiden wie und von wo wir arbeiten und diese Flexibilität dann in Kombination mit der E-Akte ist natürlich genial!
00:22:36: Also da kann ich ja im Prinzip wunderbar also ohne Probleme im Homeoffice arbeiten wenn ich das möchte.
00:22:41: Ich persönlich gehe gerne ins Gericht, ich mag den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen.
00:22:45: Gibt es auch viele?
00:22:46: Diese sind wie ich aber da ist schon ein Wandel erkennbar das der eine oder andere nicht mehr so viel zu sehen würde ich sagen.
00:22:54: Aber das sind die vorher vielleicht auch nicht so viel zusehen waren.
00:22:58: also von daher die die gerne Sozialkontakte hier im gericht pflegen sind auf jeden fall noch da.
00:23:03: naja KI und weitere Digitalisierung, das ist natürlich ein spannender Prozess auch für uns.
00:23:09: Wir merken da schon so einen Unterschied zur... zur Wirtschaft und zur Anwaltswelt, die mit ihren KI-Systemen glaube ich schon eine ganze Ecke weiter sind als wir.
00:23:18: Ich sage mal so der Bereich Justiz und KI ist jetzt auch nicht ganz einfach.
00:23:22: Wir sind ja auch irgendwie ein hochsensibler Bereich.
00:23:24: da muss natürlich Datenschutzrechtlich etc.
00:23:27: Ganz viel beachtet werden unabhängig davon dass wir jetzt auch die Entscheidungsprozesse jetzt nicht auslagern an KI sondern es geht im Moment für uns eher um Strukturierungstools um auch so Masseverfahren und sowas in den Griff zu bekommen erst recht wenn wir dann von Anwaltsseite mit KI-Schrift setzen.
00:23:45: Ich will nicht sagen überschwemmt, aber manchmal ist es überschwämt werden.
00:23:48: Da muss man natürlich dem irgendwie herwerden.
00:23:51: Das wird spannend würde ich sagen, aber es gibt eben auch viele, da wird die KI nichts ändern und betreuungsrecht ist so ein Beispiel.
00:23:58: wo also das wird sich so schnell nicht wandeln ne?
00:24:01: Also da kann man noch sehr dass die E-Akte auch digital und trotzdem bin ja im Kontakt Und so ist es hier ja ganz viel und wie oft wir dann, obwohl wir Online-Verhandlungen machen könnten, eben doch sagen.
00:24:15: Es hat Vorteile auch uns alle einmal in einen Saal zu setzen, gerade mit Naturparteien zu sprechen... Das bleibt einfach eine Tätigkeit, die nah am Menschen ist.
00:24:25: Bevor wir nicht den Robo-Judge haben wird sich da nichts ändern und da glaube ich im Moment noch nicht trappen!
00:24:31: Lass uns jetzt nochmal über eine ungewöhnliche Kombination sprechen... also du als Person aber auch das Olg Hamburg mit dir vereint.
00:24:38: Wir haben Social Media und Justiz.
00:24:40: Sehr gerne!
00:24:41: Wie kam es dazu dass du angefangen hast, LinkedIn für das OlG Hamburg zu machen?
00:24:46: Ja
00:24:47: Also damals unter unserem damaligen Personalreferenten, das ist also der Richter, der neue Richterin und Richter einstellt.
00:24:56: Und im ersten Schritt, der sozusagen die Einladung macht und die Bewerbungsgespräche organisiert dann auch führt usw.
00:25:03: Der hatte damals schon so ein ganz gutes Gespür dafür zu sagen, LinkedIn da ist irgendwie viel los und wir sind gar nicht präsent oder zumindest noch nicht richtig viel.
00:25:15: Und es wäre, glaube ich, gut wenn wir da mal was machen würden.
00:25:18: Dann kam so eine Anfrage im Kollegenkreis ob jemand Lust hätte und ich hatte einen LinkedIn-Profil.
00:25:24: das war sehr gut vernetzt aber das war komplett brach.
00:25:28: also da war überhaupt nichts.
00:25:29: Ich hatte glaube ich zwei Beiträge in meinem Leben verfasst noch in Studienzeiten und sonst nichts.
00:25:35: Da war auch noch ein bisschen der Glaube in allen.
00:25:37: Na ich bin ja Richterin, wofür braucht denn LinkedIn?
00:25:41: Und dann habe Ich habe früher immer so Reiseblocks geschrieben, ich hab schon immer gerne Fotos gemacht und ich hab immer gern Urlaubsporträts geschrieben über meine Reisen.
00:25:52: Und deswegen hatte ich irgendwie Lust, dann mich diesen Projekt anzunehmen und habe mich gemeldet.
00:25:57: Ich hab gesagt also wir können ja mal was machen!
00:25:59: Ich kann ja mal etwas über meine Tätigkeit als Strafrichterin schreiben.
00:26:02: So ging's los.
00:26:03: Dann muss man sagen hat das sehr gut funktioniert.
00:26:06: Ich glaube der Linken Algorithmus war etwas überrascht über eine Person in Robe mit Samtbesatz.
00:26:13: Da hat er gesagt ist es etwa eine Richterin?
00:26:16: Das haben wir noch nicht so
00:26:17: oft gesehen.
00:26:18: oder ein Theater Schauspieler?
00:26:19: Genau.
00:26:20: Es könnte eine Schauspielerin oder eine Richterin sein.
00:26:22: und der Algorithmus hat es dann so ins Orbit geschickt, dass der Kollege und ich dann kurz... überrascht waren, dass es jetzt so gut funktioniert.
00:26:32: Und wir dann aber natürlich auch gesagt haben okay jetzt machen wir damit weiter und ich hatte zu dem Zeitpunkt schon fünf Beiträge oder sowas vorbereitet.
00:26:41: und ab da ging eine Zeit los wo ich alle zwei Wochen wusste also das war mein Rhythmus zu der Zeit weil ich hatte ja hundert Prozent strafrechter Tätigkeit hier an einem sehr beschäftigten Amtsgericht.
00:26:53: also ich hatte auch noch anderes zu tun aber es hat großen Spaß gemacht.
00:26:57: Dann habe ich natürlich dadurch, haben wir ganz viel gelernt wie das so ist wenn man es dann einfach macht.
00:27:02: Also große Learnings aus Reaktionen was kommt gut an?
00:27:06: Was löst vielleicht Unmut aus in der LinkedIn Bubble?
00:27:09: Wie sind die Kommentare?
00:27:10: Wie moderiert man und so weiter.
00:27:12: Und ja daraus entstand dann so ein kleines Skillset und auch irgendwann bei mir der Druck, das ich gesagt habe.
00:27:18: Also ich würde da gerne mehr Zeit reinstecken aber das geht irgendwie nicht neben meiner Arbeitszeit also einfach so daneben als Hobby.
00:27:26: Da hab' ich auch nur bedingt auf Dauer Lust zu wäre schon schön wenn wir das irgendwie institutionalisieren und er war ja zum Glück sehr hinterher und auch offen.
00:27:36: Und auch das OEG, muss man sagen.
00:27:38: Auch die Politik hier in Hamburg hat das gesehen und gesagt, okay da ist Bedarf!
00:27:43: Wir müssen uns da irgendwie das Schein zu funktionieren.
00:27:46: Das war auch ein bisschen eines meiner Learnings zu sagen... Manchmal einfach erst mal machen und Fakten schaffen.
00:27:53: Und dann kommt eben auch keiner mehr an einem vorbei, ne?
00:27:56: Also das ist so... Wenn man dann erstmal angefangen hat und die Resonanz so positiv ist, dann kann auch schlecht jemand sagen Das wollen wir alles nicht sondern die Chance dass jemand sagt oh cool Das hat sich ja schon ein bisschen etabliert und sich gezeigt, dass es gut funktioniert.
00:28:10: Na gut dann nehmen wir jetzt mal ein bisschen Geld in die Hand und schaffen vielleicht Stellen und Equipment und so.
00:28:15: Die ist sehr viel höher!
00:28:16: Und so war's hier im Prinzip.
00:28:18: und dann hat das eine Stelle gegeben erst einer R-Einsstelle also einen Richtersteller am OEG und dann irgendwann auf die ich mich dann beworben habe mit einer Kollegin zusammen und dann irgendwo gab's den Rest des Teams.
00:28:30: und jetzt sind wir ganzes Social Media Team und das macht ganz viel Freude vor allem weil wir eben nicht nur Werbung im richterlichen Bereich machen, sondern für alle Berufsgruppen beigericht.
00:28:40: Und deswegen ist unser Team in der Hinsicht auch mit verschiedenen Berufs- gruppen besetzt also mit einer Rechtspflegerin und einer Justiz Angestellte und noch eine Richterkollegin Und dadurch haben wir ganz viel Perspektive auf verschiedene Berufsgruppenbereiche und können da eben auch gut Social Media-Werbung machen.
00:28:57: Wenn man mit juristischen Arbeitgebern spricht, es geht um Social Media ist meistens die Lösung in irgendeine Form von Marketingagentur.
00:29:05: also die meisten trauen sich nicht selbstlos zu legen sondern sagen okay da schalten wir jetzt jemand ein und der macht dann für uns die Post oder bereitet Inhalte auf.
00:29:14: Ihr habt ja so einen totalen, wie du schon gesagt hast, Hands-on Ansatz.
00:29:17: Was hat euch eigentlich dazu bewogen das so zu machen und eben nicht über irgendeine Agentur zu gehen?
00:29:22: Ja, ich glaube das sind zwei Gründe.
00:29:23: Also einmal haben wir kein Geld für eine Agentur.
00:29:26: Das ist das Eine, ne?
00:29:27: Wir sind ja im Staat ziehen und es sind hier alle Steuergelder.
00:29:30: Die Haushaltssituation ist immer angespannt, das ist normal.
00:29:34: Das heißt um jeden Cent muss man irgendwie kämpfen und da haben andere Sachen Priorität.
00:29:39: so, dass ist auch richtig.
00:29:40: Das Ist das Eine und das Andere ist aber auch... Und das lebt natürlich auch ein bisschen davon, dass es uns großen Spaß macht, sonst würden wir es wahrscheinlich nicht so hands on machen dass es Self-Made ist.
00:29:53: Es spielt in unser Grundkonzept zu sagen, wir wollen die Justiz nahbar zeigen und zugänglicher machen.
00:30:00: Wir wollen Hemmschwellen abbauen immer diese Uuhu-Justiz.
00:30:04: Da kann man nicht reingucken.
00:30:06: was machen sie da eigentlich?
00:30:07: Mit einer Richterin sprechen traue ich mich nicht so.
00:30:10: diese Vorurteile.
00:30:11: Das sieht man dann unserem Content auch an das man eben sieht okay das ist wirklich self made und das sind eben auch Das sind unsere eigenen Ideen.
00:30:22: Die sind geboren aus unserem Arbeitsalltag und ich finde, das macht eben den Unterschied zur... Also ohne dass die Marketingagenturen, es gibt auch viele, die das richtig super machen aber die haben natürlich nicht so diesen Blick nach innen und können dann im Prinzip immer erst am zweiten Schritt auf die PS auf die Strecke bringen und sagen, so würden wir's jetzt umsetzen.
00:30:42: und bei uns ist vielleicht noch ein bisschen ungefiltert da dadurch ist es auch nicht immer alles perfekt also in der Hinsicht ausgebildet, deswegen wir machen auch so ein bisschen Learning by Doing.
00:30:52: Aber es macht uns dann vielleicht auch ein bisschen sympathisch.
00:30:55: das eine oder andere denkt naja gut sie üben auch noch ein bisschen
00:31:01: absolut aber du sprichst eigentlich gleich auch an Bedenken an dass viele äußern wie findet man denn auch diese Balance zwischen Authentizität und gleichzeitig aber auch Seriosität die ja von euch als Estils absolut erwartet wird?
00:31:13: Ja, das ist die große Kunst und das ist unser täglich Brot.
00:31:17: Also da gibt es kein Patentrezept.
00:31:20: Wir haben am Anfang einmal im Rahmen unserer Konzepterarbeitung unsere Werte auch festgeschrieben und auch so ein bisschen unsere Art-Image herausgearbeitet, wofür wollen wir stehen?
00:31:32: Wofür steht die Hamburger Justiz?
00:31:33: Auch Hamburg als sozusagen in Abgrenzung zu anderen Justizen?
00:31:38: was macht uns aus als Hamburger justiz?
00:31:40: Und das ist sozusagen die Leitlinie, an der wir uns orientieren und dann ist es im Prinzip unser Daily Business.
00:31:47: Also wir sitzen hier regelmäßig zusammen in kreativen Brainstorming-Grunden und jeder bringt Ideen mit und dann fliegt alle naheslang Fliegenideen Eiskalt wieder raus, weil wir sagen können wir nicht machen.
00:32:00: Können wir jetzt Justiz nicht machen?
00:32:02: Schmaler Grad?
00:32:03: Oh oh nee das Thema lieber nicht!
00:32:05: Das ist also ich würde sagen von den Ideen die präsentiert werden also locker die Hälfte fliegt wieder raus wenn nicht mehr.
00:32:12: Und das sieht man eben nicht, man sieht immer nur das was wir dann tatsächlich posten.
00:32:16: Aber es ist ja nicht so dass alles das hier schon auf dem Schreibtisch liegt sondern hier liegt sehr viel mehr und das ist im Prinzip einfach die Herausforderung von einem inneren Kompass.
00:32:26: Dass man irgendwie sagt was ist im Rahmen dessen was wir als Justiz machen können?
00:32:31: Was ist aber auch... Wir wollen ja nicht die ganz sichere Schiene fahren Dann spielt man wieder in das verstaubte und langweilige Image, was die Justiz vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch hat.
00:32:42: Was wir ja gerade abbauen wollen.
00:32:44: also man muss sich auch ein bisschen mutig zeigen aber es ist ein schmaler Grad!
00:32:48: Also ich würde sagen das ist die große Kunst.
00:32:50: wenn man das schafft dann hat man's eben geschafft im Bereich.
00:32:54: und ja dass auch da ich glaube ein Stück weit ist es auch einfach anfangen mehrere Leute drauf gucken lassen, also nichts alleine machen.
00:33:02: Sondern mindestens vier Augenprinzip wenn nicht sechs Augenprincipe und vor allem auch die Zielgruppe draufgucken lassen das ist auch wichtig Und dann einfach mal ausprobieren und notfalls funktioniert man was nicht und dann ist es auch ein Learning.
00:33:15: Du hast auch gesagt hier ist es wichtig diverse Vorbilder sichtbar zu machen.
00:33:18: wie kriegt ihr das hin?
00:33:19: Wie kann man das konkret umsetzen?
00:33:21: Das ist uns immer ein großes Anliegen, weil wir wollen eben nicht dass es dann einer Person hängt sondern wir wollen das zeigen was wir hier auch haben nämlich eine Vielfalt an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Kolleginnen und Kollegen.
00:33:33: Die Kunst ist natürlich so ein bisschen.
00:33:35: also es ist sowieso schon gerade im richterlichen Bereich nicht so einfach Leute zu finden die überhaupt mitmachen wollen Weil natürlich da auch viele bei sind die sagen ich möchte nicht ins Internet.
00:33:45: Ich mache hier ne wichtige Aufgabe ich bin vielleicht auch in hoch sensiblen Verfahren aktiv wo ich vielleicht nicht unbedingt will, dass sich dann noch parallel im Internet irgendwie was von mir preisgeben muss.
00:33:56: Völlig verständlich und auch absolut zu respektieren!
00:33:59: Nichtsdestotrotz ist das natürlich schon die erste Schwelle, dass wir überhaupt Leute finden müssen, die mitmachen.
00:34:04: Wir geben uns halt große Mühe da so eine Diversität reinzubringen.
00:34:08: Also wir halten immer Augen und Ohren offen nach Kolleginnen und Kollegen, die Lust haben mitzumachen.
00:34:13: Die neue Einstellungen laufen ja im Prinzip alle über unseren Tisch, dass wir sehen wer fängt neu in Hamburg bei uns an.
00:34:19: Wir haben auch so eine Vorstellungsserie wo wir die dann einmal zeigen und mit einem Kurzlebenslauf präsentieren Und oft stellt sich da ja schon so heraus ach Mensch da ist vielleicht auch jemand beide hätte mal Lust mitzumachen.
00:34:29: und wir haben im Prinzip so interne, auch im Kopf, so Listen mit Leuten wo wir sagen wenn der hat immer los.
00:34:36: Der hat es motiviert.
00:34:38: Der sieht super aus vor der Kamera macht das wie als hätte er nichts anderes gemacht.
00:34:42: Ein
00:34:43: Natur-Talent?
00:34:43: Ja
00:34:44: genau!
00:34:44: Und solche Leute haben wir ja die sammeln wir natürlich und je länger wir das machen desto mehr von denen haben wir im Petto.
00:34:50: aber ja also ist nicht immer einfach und mir ist es zum Beispiel in Dornem Auge dass wir nur Frauen im Team sind im Social Media Team.
00:34:57: Also ich hatte gerne einen Mann im Team, weil das ist... Also alle naas sagen hinterfrage ich uns noch mal kritisch und sag Mädels.
00:35:06: Ist es zu weiblich?
00:35:07: Es sieht irgendwie sehr rosa alles aus.
00:35:11: Und da muss man sich wirklich, also je diverser das Team desto besser.
00:35:16: und das sind so Sachen ... Das hätte ich eigentlich gerne anders aber gut in dem was ich kriegen kann.
00:35:22: Aber ein Problem, das ich von einem juristischen Arbeitgeber noch nie gehört habe.
00:35:25: Weil im Großkanzlein ist es genau immer anders rum.
00:35:28: Wir brauchen eigentlich noch eine Frau oder im Idealfall bitte nicht nur eine Frau und das soll natürlich dann auch möglichst repräsentativ für die generelle Aufteilung in der Kanzlei sein.
00:35:35: Von daher bei euch der Aufruf genau andersrum.
00:35:38: aber klar warum sollen nicht auch Männer das Social-Media Team verstärken?
00:35:42: Ja
00:35:42: ich glaube das Social Media Thema ist einfach.
00:35:44: also es ist immer noch so'n bisschen so'nen Frauenthema.
00:35:47: und deswegen dass das bei uns die Bewerbungen Also die Bewerber zeigen, dass das eher so ein Frauenthema ist irgendwie.
00:35:55: Ich finde es schade.
00:35:55: also ich glaube wir haben auch super männliche Kolleginnen und Kollegen, die das toll machen würden.
00:35:59: aber mal gucken kann ja noch kommen.
00:36:02: Ja genau, müssen noch rekrutiert werden.
00:36:04: Einen Inhalt der so richtig in die Hose gegangen ist.
00:36:06: also wo ihr wirklich...
00:36:07: Also wir hatten
00:36:08: auch eine Erklärungsnötigkeit?
00:36:09: Kein klassischen Shitstorm würde ich sagen!
00:36:12: Es zieht sich alles in Grenzen.
00:36:13: Wir haben manchmal Beiträge, die die Gemüter erhitzen, so ganz unerwartet.
00:36:18: Das ist für uns dann immer wieder irgendwie ne Erkenntnis.
00:36:22: Wir hatten zum Beispiel mal einen Beitrag dazu das Rechtswägerinnen und Rechtswägern in Hamburg jetzt auch roh betragen dürfen in bestimmten Entscheidungssituationen.
00:36:30: Das hat die Gemüte erhitzt, warum auch immer.
00:36:33: Also es ist dann das man sich fragt.
00:36:35: also ehrlich gesagt ich kann mir nicht vorstellen dass auch nur einer oder eine meiner Kolleginnen und Kollegen, also Richter-Kolleginnen und Kollegen Probleme damit hat, dass ein Rechtsfeger bei einer Zwangsversteigerung eine Robe anhat.
00:36:45: Und trotzdem kocht da so was hoch, dass man denkt verstehe ich jetzt nicht aber ich muss es dann vielleicht auch nicht immer alles verstehen.
00:36:52: früher war's oft so der Dorn im Auge waren die Papierakten was ich auch total verstehen kann.
00:36:57: Zum Glück sind wir mittlerweile ja so weit mit der Digitalisierung, dass es nicht mehr so viele Papierakten gibt.
00:37:03: Aber es gibt Reizthemen wo wir wissen... Das ist ein bisschen schwieriges Thema, ein bisschen glatteis, aber wir gucken schon sehr genau.
00:37:11: Aber so richtig in die Hose gegangen würde ich sagen zum Glück noch nicht!
00:37:14: Was nicht ist, kann ja noch kommen.
00:37:16: Ich glaube das gehört auch ein bisschen dazu.
00:37:18: Natürlich und kontrovers tut natürlich dem Algorithmus auch gut.
00:37:22: Also wenn diskutiert wird, wird das natürlich besser ausgespielt.
00:37:25: von daher macht es ja auch Sinn und gerade solche Themen Digitalisierung laden natürlich eigentlich auch zu einem gewissen Politikbashing dann ein wo man sich generell darüber aufregen kann ob in Deutschland die Digitalisierung schon weit genug fortgeschritten ist.
00:37:38: Das ist ja auch legitim.
00:37:40: Das Problem ist es, wenn es das Justizbashing wird und wir so ein bisschen... Wir sitzen dann leider nicht an dem Hebel der wirklich im Moment akut was ändert.
00:37:47: Deswegen ist das manchmal frustrieren weil wir denken naja wir sind ja selber manchmal an einer oder anderen Stelle frustriert und würden uns mehr schnelligkeit wünschen.
00:37:56: aber nichtsdestotrotz für uns ist immer wichtig Transparenz und wenn wir irgendwie zur Aufklärung beitragen können und Leute haben einen Vorurteil denken hier ist alles voller Papierstapel und man sieht eben wie ganz konkret die Kollege nur noch mit Laptop arbeitet.
00:38:08: Das ist für uns ja schon, vielleicht wenn das schon was in den Köpfen auslöst wäre das ja schon super!
00:38:13: Absolut da könnt ihr sicher mit dem ein oder anderen Vorteil aufräumen?
00:38:16: Ja wir haben über die Sinnhaftigkeit gesprochen.
00:38:19: lasst uns mal über Ja, Gehälter sprechen oder die Justiz als Arbeitgeber.
00:38:24: Großkanzleien sind ja wirklich mit den Einstiegsgehältern absolut durch die Decke gegangen zumindest zu Teil.
00:38:30: sechsstellig würde ich sagen ist fast normal mittlerweile.
00:38:32: das muss man erst großkanzlei bieten und mithalten zu können Das ist bei der Justiz ein bisschen anders.
00:38:38: wie kann man da überhaupt noch gegenhalten?
00:38:40: Ja, also Gehalt ist jetzt vielleicht nicht unser Selling Point würde ich sagen.
00:38:45: Wobei man ja das auch immer so ein bisschen relativ sehen muss.
00:38:48: Also wenn man sich für den Job in der Justiz entscheidet dann entscheidet man sich ja meistens für diesen Job auf Lebenszeit.
00:38:56: So ist es ja gedacht Und das heißt eben auch, dass man dann auch am Ende durch in der Pensionierung ja mit dem Arbeitgeber sozusagen verbunden bleibt.
00:39:04: Nämlich auch über eine ziemlich hohe Pension und das darf man nicht aus den Augen verlieren.
00:39:08: also die Altersvorsorge muss man im Prinzip mit einpreisen.
00:39:13: sind da so ein paar Dinge, die sehen im ersten Moment sieht es wie eine riesen Diskrepanz aus.
00:39:19: Aber da sind schon noch so ein Paar Stellschrauben, die gehen in die richtige Richtung.
00:39:23: Trotzdem sind wir dann nicht konkurrenzfähig mit Großkampfzeigeheltern.
00:39:26: gar keine Frage.
00:39:28: und ich finde auch es spricht überhaupt nichts dagegen uns Richterinnen und Richter besser zu bezahlen.
00:39:32: das ist ja auch ein Thema was wir durchaus immer wieder auch bemängeln und, was man sich auf jeden Fall angucken muss.
00:39:38: Wenn wir wollen dass unser Rechtsstaat konkurrenzfähig bleibt und bestehen bleibt und wenn wir wollen das vernünftige Leute diesen Job machen dann muss man eben auch entsprechend bezahlen.
00:39:47: Das ist schlecht weg so!
00:39:49: Das ist das eine.
00:39:50: trotzdem die Justiz als Arbeitgeber.
00:39:53: ich meine du merkst es ja an mir und ich muss das wirklich sagen Ich habe sehr viele zufriedene Kolleginnen und Kollegen ebenso viele andere Vorzüge, die das Gehalt so ein bisschen in den Hintergrund treten lassen.
00:40:04: Also das Gehalt ist ja trotzdem so, dass ich davon vernünftig leben kann.
00:40:08: und jetzt... Ich mache meine Urlaube!
00:40:10: Ich habe meine tolle Wohnung hier in Hamburg.
00:40:12: also ich nag nicht am Hungertuch um Gottes Willen Und es tritt aber auch einfach in der Relevanz ein bisschen im Hintergrund.
00:40:19: Es geht dann eben nicht mehr um was kaufe ich mir als nächstes für ein teures Auto?
00:40:23: oder was kaufe ich mehr als nächstens für ein torres Regal?
00:40:26: Das ist einfach gar nicht so relevant.
00:40:28: Dafür gehe ich morgens gern zur Arbeit und ehrlicherweise, ich kenne viele die sehr viel verdienen und die das nicht sagen können.
00:40:35: Und auch in dem Moment in dem man sich fragt wenn du jetzt finanziell ausgesorgt hättest würdest du deinen Job dann noch machen?
00:40:41: Das mit Nein beantworten!
00:40:43: Ich würde dir meine Hand dafür ins Feuer legen dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen weiterhin mit Jahr beantworten würden.
00:40:50: Nicht hundert Prozent, nicht jeden Tag!
00:40:52: Ich würde weniger zur Arbeit gehen da schon noch mehr Hobbys machen aber ich würde den Job weiter machen weil er mir eben so viel Spaß macht.
00:40:59: und das ist schon besonders.
00:41:00: und dann diese Flexibilität die Unabhängigkeit die wir haben Das sind alles so Dinge die sind ja mit Geld im Prinzip gar nicht aufrechenbar so ne?
00:41:09: Und die machen aber alle eine extreme Lebensqualität was die Arbeitswelt angeht.
00:41:16: einfach diese Freiheiten, die wir hier haben.
00:41:19: Diese Eigenorganisationen sind haftige über das wir schon gesprochen haben.
00:41:24: Das sind Stiftende an der Tätigkeit.
00:41:26: Das ist eben finanziell nicht zu messen und das sind die Sachen mit denen wir punkten können.
00:41:31: Die Familienfreundlichkeit auch noch was, was ja auch viele so ein Aussagen vieler irgendwann in die Justiz sieht – das ist eine Tatsache!
00:41:39: Man kann bei uns wunderbar auch in Teilzeitarbeiten, auch in Vollzeitarbeit mit Kindern.
00:41:45: Auch durch diese Flexibilität ist man da eben in seiner Arbeitseinteilung super flexibel.
00:41:50: Sein eigener Chef im Prinzip, das sind alles so Dinge.
00:41:54: aber
00:41:54: Großkanzigerhälter wird man bei uns nicht verdienen.
00:41:57: Gibt es generell Vorurteile über den Richterberuf die dir häufig begegnen?
00:42:01: Die haben überhaupt nicht stimmen!
00:42:03: Ständig.
00:42:05: Ist ja auch ein Grund für unsere Social Media Arbeit, damit wir mit Vorteilen aufräumen können immer und immer wieder.
00:42:10: mein Lieblingsvorteil ist der Hammer im Gerichtssaal den haben wir nicht keine Hammer im gerichtssaal.
00:42:15: Und genau das andere vorteil was ich oft höre was mir auch so ein persönliches Anliegen Es ist dass man immer alleine ist bei Gericht.
00:42:22: also Ich glaube ganz viele haben Angst wenn sie sich vorstellen in einer Kanzlei wie ich in So ein Team eingebunden mache alles als team und Als Richterin bin ich dann so ganz auf mich allein gestellt.
00:42:32: Und das stimmt natürlich in der Konsequenz, dass ich meine Urteile alleine fälle.
00:42:37: Gerade am Amtsgericht, am Landgericht sowieso ein bisschen anders gegebenenfalls aber am Amtesgericht allein.
00:42:42: Das ist richtig!
00:42:44: Nichtsdestotrotz bin ich eigentlich nie allein im Gericht und ich bin auch mit meinen Entscheidungen nicht allein weil ich kann ja auch immer mit Kolleginnen und Kollegen über Dinge sprechen und auch mir Input holen und sagen Mensch wie würdest du das entscheiden?
00:42:57: Hast du so was schon mal entschieden?
00:42:59: Ich tue mich schwer mit der und der Einschätzung Das rechtliche Problem ist irgendwie, das habe ich so noch nicht gefunden.
00:43:05: Was meinst du?
00:43:06: Und das sind so Austausche die pflegen wir ganz bewusst also auch in ganz konkreten Besprechungsrunden zu dem man sich trifft und vielleicht bestimmte Rechtsgebiete dann auch bespricht oder wo man Fragen mitbringen kann am Amtsgericht.
00:43:20: ganz normal, dass man immer mit Akten auch zu Kollegen geht und sagt ich brauche mal Hilfe.
00:43:25: Und man ist nie allein.
00:43:28: Deswegen ist mir das so ein Anliegen weil ich glaube die Leute würden wirklich vom Glauben abfallen wenn sie bei uns im Amtsgricht über den Flur laufen und merken was dafür eine Kommunikationskulisse herrscht zwischen Kolleginnen und Kollegen.
00:43:42: Dadurch fühlt man sich nicht.
00:43:43: natürlich steht am Ende mein Name unter dem Urteil.
00:43:46: Das heißt ich trage das alleine sich auch übernehmen wollen, sonst bin ich in dem Job nicht richtig.
00:43:51: Wenn ich lieber möchte dass jemand anders unterschreibt und die Verantwortung nimmt dann macht muss man anderen Beruf machen.
00:43:57: aber nichtsdestotrotz das man hier jetzt sozial irgendwie mit niemandem mehr spricht und nur noch alleine sein Büro sitzt und keine Menschen mehr zu Gesicht bekommt ist überhaupt nicht so.
00:44:07: und deswegen ist mir das ein Anliegen das zu betonen
00:44:10: Ein weiteres starkes Argument für die Justiz.
00:44:13: Genau!
00:44:14: Gibt es denn was, was du jungen Juristinnen und Juristen raten würdest?
00:44:17: Die mit dem Gedanken spielen in die Justiets zu gehen aber vielleicht noch unsicher sind?
00:44:21: Uns natürlich bei Instagram und LinkedIn folgen...
00:44:24: Das packen wir auch auf jeden Fall nicht schon
00:44:26: an uns.
00:44:26: Der Wehrblock!
00:44:27: Ne das müssen wir in die Schauen uns packen damit man wirklich euch verfolgen kann und sieht was ihr so tagtäglich macht.
00:44:33: Also ich würde immer sagen eigene Eindrücke sammeln.
00:44:37: Das kann sein Praktika, das kann sein auf Karrieremessen mal mit uns ins Gespräch kommen einfach mal Fragen loswerden.
00:44:44: Das können sein einfach meine Gerichtsverhandlungen gehen.
00:44:47: die meisten Gerichts Verhandlungen sind öffentlich.
00:44:49: man kann in die Gerichtsgebäude in Hamburg einfach reinspazieren also gegebenenfalls nach einer Sicherheitskontrolle einfach rein spazieren und sagen ich setz mich jetzt hier mal in Sitzungssaal und guck draußen auf.
00:44:59: so eine das ist nennen wir Sitzungsrolle steht daran was drin passiert und dann kann man sich einfach hinten reinsetzen nochmal zu gucken Und einfach Eindrücke sammeln.
00:45:07: und das machen wir eben, dass versuchen wir ja nun in den sozialen Medien auch zu machen.
00:45:11: Dass wir diese Eindrücke auf einer größeren Plattform sichtbar machen, dass Leute einfach reingucken können ohne dass sie extra herkommen müssen oder ein Praktikum machen müssen.
00:45:20: Das sollen Sie natürlich trotzdem machen aber genau dann einfach einen eigenen Eindruck gewinnen wie der Job tatsächlich ist damit man nicht am Ende eine Berufsentscheidung trifft und von dem Einberufsbild sozusagen Abstand genommen hat Tatsachengrundlage, die gar nicht richtig war.
00:45:37: Weil man einfach von lauter Vorteilen... Und dann vielleicht noch schlechte Erfahrungen im Referendariat.
00:45:42: Das kann ja auch mal passieren, dass man da jemandem zugeteilt wird wo man sagt, oh, kann ich mich gar nicht mit identifizieren?
00:45:50: Das ist ein ganz anderer Persönlichkeitstyp als ich.
00:45:53: das kann immer passieren und deswegen wollen wir machen wir eben auch versuchen wir so viele unterschiedliche Persönlichkeiten im Internet zu zeigen um zu sagen guck mal wie groß die Bandbreite ist der potenziellen Vorbilder die du hier finden kannst oder sagen kannst Mensch.
00:46:10: und so einer Person kann ich mich auch identifizieren.
00:46:12: Das war immer unser Mantra, weil wir feststellen, wenn jemand im Referendariat einen tollen Ausbilder oder eine tolle Ausbilderin hatte, dann ist die Bereitschaft sich in der Justiz zu bewerben wesentlich höher!
00:46:25: Und das ist schade für alle, die vielleicht super Richterinnen und Richtern wären aber... in der Ausbildung vielleicht ein bisschen Pecherten.
00:46:32: Und das ist der Sinn, dass man eben verschiedene Persönlichkeiten sehen kann und deswegen Eindruck verschaffen, eigenen Eindruck erschaffen eigene Meinung bilden Vorurteile täckeln und hinterfragen viele Fragen stellen und dann und da kann man immer noch in die Kanzlei gehen.
00:46:48: Stimmt klar wenn man zu diesem Schluss kommt, dass Man doch lieber Kanzler machen möchte Dann steht einem der Weg ja immer noch offen
00:46:53: Und man kann auch dann noch kommen.
00:46:55: Also das machen wir ja auch
00:46:56: ganz viel,
00:46:57: dass Personen erst mal in der Kanzlei anfangen, auch mehrere Jahre da bleiben und da erstmal ihren Weg gehen und sich dann irgendwann noch für die Justiz entscheiden.
00:47:07: Das finden wir auch total super!
00:47:10: Da spricht überhaupt nichts gegen diesen Weg zu wählen im Gegenteil.
00:47:14: Die Berufserfahrung ist für uns auch toll.
00:47:16: Man muss nicht nur das Generalisten dasein dann noch vorstellen können.
00:47:23: wenn man sehr, sehr lange ein Bereich gemacht hat dann zu sagen Puh und jetzt potenziell noch mal Strafrecht.
00:47:29: Oh Gott!
00:47:31: Wenn man sich das aber zutraut und schaffen tut das jeder?
00:47:34: Aber wenn man sich dazutraute, dann spricht gegen so einen Wechsel überhaupt gar nicht zum Gegenteil.
00:47:39: Anni, letzte Frage an dich.
00:47:40: Wenn du einen Wunsch an Justiz der Zukunft frei hättest was wäre das?
00:47:45: Ein kleiner Wunsche.
00:47:48: Ja, ich habe glaube ich einen großen.
00:47:50: Ich wünsche mir dass wir schaffen unseren Rechtsstaat zu erhalten und das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.
00:47:57: Und da spielen all diese Dinge auch eine Rolle.
00:48:00: also da spielt eine Rolle wie wir miteinander umgehen Wie wir miteinander sprechen auch im internet.
00:48:05: Da spielt eine rolle wie viel ressourcen wir in Themen wie Digitalisierung stecken, wie viel wir unseren Richterinnen und Richtern bezahlen.
00:48:13: Und da spielt auch eine Rolle das sich genug Leute finden die diesen Job machen wollen eben um genau das zu erhalten nämlich dass wir in einem Rechtsstaat leben können.
00:48:22: Es ist ein kleiner Wunsch, aber es ist halt so unfassbar wichtig.
00:48:26: Genau, ein kleiner großer Wunsch!
00:48:27: Es ist so unfastbar wichtig weil wir in dieser Demokratie der Wir-Leben, die wir glaube ich manchmal auch für selbstverständlich erachten und diesem Rechtsstaat den wir hier haben, wenn man sich die Weltpolitik anguckt nicht selbstverständlig ist, können wir nur erhalten, wenn wir wirklich alle uns das immer wieder bewusst machen dass wir an was Großem arbeiten.
00:48:46: Und ich sehe auch unsere Social Media Arbeit als einen Beitrag dazu Weil die junge Generation, die ist auf Social Media nur noch auf Social media und informiert sich darüber.
00:48:56: Und wenn wir da nicht auftauchen dann existieren wir quasi förmlich für sie nicht!
00:49:00: Das kann nicht sein und deswegen finde ich das so wichtig und deswegen wünsche ich mir dass sich noch mehr Leute dafür begeistern können diese Arbeit sichtbar zu machen.
00:49:09: Anne, ich danke dir sehr, dass du heute hier warst und ich muss dir am Ende einen Kompliment machen.
00:49:13: Ich weiß nicht ob wir schon mal einen Gast, einen Gästen hatten die so leidenschaftlich von ihrem Beruf gesprochen haben wie du!
00:49:20: Und ich glaube das hat man wirklich in sehr stark durchgehört und ich glaube du hast da dem ein oder anderen große Lust auf die Justiz gemacht.
00:49:28: Ich hoffe, dass das freut mich sehr.
00:49:29: Und wenn es noch Fragen gibt soll der oder die mir einfach schreiben bei Instagram oder bei LinkedIn also jederzeit auch einfach sich melden, ne?
00:49:37: Wenn ich jetzt irgendwas nicht beantwortet habe aber das freute mich sehr, wenn das rübergekommen ist und ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere sich begeistert für unsere schönen Hamburger Justiz!
00:49:46: Ja vielen vielen Dank an dich!
00:49:48: Sehr gerne Danke Magdalena.
00:49:54: Das war an Christine Ani Becker.
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